Technische Daten und Tabellen

Anziehdrehmomente für Schrauben

Bei Schraubverbindungen ist es wichtig, dass für die jeweilige Schraubverbindung das richtige Anziehdrehmoment verwendet wird.

Für die meisten Menschen ist eine Schraube ein einfaches Ding, das man auf- und zudrehen kann und mehr nicht. Für den Techniker ist eine Schraube schon eine etwas andere Angelegenheit, um nicht zu sagen, ein Präzisionsteil mit hoher Festigkeit, das Umwelteinflüssen wie Wärme und Kälte, mechanischen Einflüssen wie Vibrationen, Spannungen und vielem mehr standhalten muss.

Jeder gute Schrauber weiß z. B., wie schnell eine Schraubverbindung überdreht bzw. überdehnt werden kann, und das nicht nur, wenn eine hochfeste Stahlschraube in einer dünnen Aluplatte ihr Muttergewinde hat. Es gilt der allgemeine Schrauberspruch: "Nach ganz fest kommt ganz lose", und damit ist gemeint, dass eben gerade dieser Bereich des Überdehnens (Überdrehens) ein schmaler Grat auf dem Gipfel der Spannung in einer Schraube darstellt.

In vielen Montage- und Betriebsanleitungen werden deshalb vom jeweiligen Hersteller bzw. Importeur sog. Anziehdrehmomente (Anzugsmomente) z. B. für Stehbolzenschrauben zur Zylinderkopfbefestigung etc. angegeben. Aus eigener Schraubererfahrung wissen wir jedoch, dass viele Schrauber ohne einen präzise arbeitenden Drehmomentschlüssel arbeiten. Wenn man so vorgeht, kann man auch nicht erwarten, dass eine Schraubverbindung hält bzw. den technischen Anforderungen entspricht.

Überdehnungen sind genauso an der Tagesordnung wie zu schwach angezogene Schraubverbindungen, die sich schon nach kurzer Zeit lösen. Selbst Sicherungsmuttern, Sprengringe, Zahnscheiben oder Loctite können ein Lösen manchmal nicht verhindern, nämlich dann, wenn die konstruktive Schraubvorspannung (Minimalvorspannung) beim Anziehen nicht erreicht wurde.

Wir empfehlen also dringend, sich an die vom jeweiligen Hersteller angegebenen Anziehdrehmomente zu halten und das hochfeste Präzisionsteil Schraube nach zweimaligem Einsatz gegen eine neue Schraube auszutauschen.

Auch Schrauben haben "Standzeiten" und halten trotz einwandfreiem Gewinde und gutem äußeren Aussehen nicht ewig. Gerade Schrauben und Muttern, die zur Zylinder-, Zylinderkopf- oder Kurbelwellen- bzw. Antriebsbefestigung eingesetzt werden, sollten nur einmal verwendet werden, d. h. eine Schraube zur Lagerschalenbefestigung eines Pleuels muss bei einer Motorüberholung gegen eine neue Schraube ausgetauscht werden. Dies gilt auch für Zylinderkopfschrauben, Dehnschrauben und alle Schraubverbindugnen, die einer hohen mechanischen Belastung standhalten müssen.

Großen Einfluss auf die Haltbarkeit einer Schraubverbindung haben:

  • Festigkeit der Schraube, z. B. 8.8
  • Gewindeart, z. B. Feingewinde oder metrisches Normalgewinde
  • Umwelteinflüsse, Hitze, große Kälte, hohe Temperaturschwankungen
  • mechanische Einflüsse, Torsion, Stoß- und Schlageinflüsse, Vibrationen, Verwindung
  • Ausführung der Mutter, z. B. bei Kupfermutter bei Auspuff-Flanschbefestigungen
  • Ausführung der Unterlegscheibe bzw. Sicherungsscheibe
  • Härtegrad und Festigkeit der zu verbindenden Bauteile, z. B. Alu-Zylinderkopf auf Grauguss-Motorblock
  • Wärmeausdehnungskoeffizient der Bauteile
  • Hilfsstoffe, z. B. Schmierfett, Öl, chem. Sicherungszusätze, z. B. Loctite
  • Oberflächenbeschaffenheit zwischen den Bauteilen und der Schraubverbindung, z. B. unbearbeitete Gussoberfläche (rau und hart) oder geschliffene Oberfläche

Liegt Ihnen für eine Schraubverbindung kein Hersteller-Anziehdrehmoment vor, so kann man notfalls auf sog. Standardtabellen zurückgreifen, die natürlich die herstellerspezifischen Einflüsse einer individuellen Schraubverbindung nicht beinhalten können.

Wir stellen hier drei Standardtabellen zur Verfügung und weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir für diese Angaben keinerlei Haftung bzw. Gewährleistung übernehmen. Sie dienen lediglich zur Orientierung für den Fall, dass Ihnen keinerlei Herstellerangaben (Anziehdrehmomente) zur Schraubverbindung zur Verfügung stehen.

Standard-Anziehdrehmomente ersetzen niemals die Angaben des jeweiligen Herstellers, z. B. Malossi, Polini, Jasil, Kundo, alfaerre, Arreche, Athena, Axwin, Dellorto, Doppler, Giannelli, Gilardoni, Hebo, Italkit, Lektronis, Leo Vinci, Mikuni, Olympia, RMS, Tecnigas, Top Performance, Yasuni.

Schrauben mit metrischem Gewinde

Festigkeitsklasse 6.9 8.8 10.9 12.9
M 6 8,5 Nm 10 Nm 14 Nm 17 Nm
M 8 21 Nm 25 Nm 35 Nm 41 Nm
M 10 41 Nm 49 Nm 69 Nm 83 Nm
M 12 72 Nm 86 Nm 120 Nm 145 Nm
M 14 115 Nm 135 Nm 190 Nm 230 Nm
M 16 180 Nm 219 Nm 295 Nm 355 Nm
M 18 245 Nm 290 Nm 400 Nm 485 Nm
M 20 345 Nm 410 Nm 580 Nm 690 Nm

Schrauben mit metrischem Feingewinde

Festigkeitsklasse 6.9 8.8 10.9 12.9
M 8 x 1 23 Nm 27 Nm 38 Nm 45 Nm
M 10 x 1,25 44 Nm 52 Nm 73 Nm 88 Nm
M 12 x 1,25 80 Nm 95 Nm 135 Nm 160 Nm
M 12 x 1,5 76 Nm 90 Nm 125 Nm 150 Nm
M 14 x 1,5 125 Nm 150 Nm 210 Nm 250 Nm
M 16 x 1,5 190 Nm 225 Nm 315 Nm 380 Nm
M 18 x 1,5 275 Nm 325 Nm 460 Nm 550 Nm

Festigkeitsklassen bei Schrauben und Muttern

Neue Schrauben-Bezeichnung 3.6 4.6 4.8 5.6 5.8 6.6 6.8 6.9 8.8 10.9 12.9 14.9
Alte Schrauben-Bezeichnung 4A 4D 4S 5D 5S 6D 6S 6G 8G 10K 12K -
Passende Muttern 5 6 8 10 12 14